Neuronale Mechanismen kontextueller Kreativitätsprozesse

Neuronale Mechanismen kontextueller Kreativitätsprozesse
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Neuronale Mechanismen kontextueller Kreativitätsprozesse.

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© Kurt Michel | pixelio.de

Was ist Kreativität? Gemeinhin versteht man hierunter Phantasie, Einfallsreichtum oder Flexibilität. Auch in vielen Sportarten spricht man von Kreativität. So gelten etwa Lionel Messi oder Mesut Özil als besonders kreative Fußballspieler. Doch was versteht man unter Kreativität im Fußball?

Mit dieser Frage beschäftigt sich seit Jahren das Institut für Kognitions- und Sportspielforschung der Deutschen Sporthochschule Köln – und hat nun eine weitere Förderung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) für ein Forschungsprojekt zu diesem Thema erhalten.

Unter dem Titel „Neuronale Mechanismen kontextueller Kreativitätsprozesse“ untersuchen WissenschaftlerInnen des Instituts in Kooperation mit KollegInnen der Universität Graz die Gehirnaktivität während der Bearbeitung ökologisch valider Aufgabenstellungen. Das bedeutet, die von den Athleten zu lösenden taktischen Aufgaben sollen so praxisnah und realistisch wie möglich sein.

„Wir sind sehr glücklich, dass wir mit der finanziellen Unterstützung des D-A-CH-Forschungsprogramms eine Kooperation mit Prof. Dr. Andreas Fink von der Universität Graz, einem weltweit führenden Neurowissenschaftler im Bereich Kreativität, realisieren können“, sagt Institutsleiter Univ.-Prof. Dr. Daniel Memmert.

Ausgehend von existierenden Befunden dazu, wie das Gehirn Kreativität abbildet, sollen im geplanten Forschungsvorhaben funktionale Gehirnaktivierungsmuster während der Bearbeitung komplexer Kreativitätsaufgaben gemessen werden. Um etwa in fußballspezifischen Situationen originelle und erfolgreiche Lösungen zu erzielen, müssen Spieler ihre Entscheidungen aufgrund aller relevanten Informationen aus ihrer Umgebung treffen, z.B. dem Verhalten von Teamkollegen und Gegnern. Dabei sind sie ständig gefordert, eine Balance zwischen aktueller Stimuluskonstellation und aufgabenbezogener Information aus dem Gedächtnis zu halten. „Kreative Lösungen in Sportspielsituationen scheinen somit sehr vergleichbar mit klassischen Konzepten aus der Psychologie zu sein und sie scheinen stark mit aufmerksamkeits- und gedächtnisspezifischen Anforderungen assoziiert zu sein – Prozesse, die als wichtige Komponenten der Kreativität bekannt sind“, erklärt Projektleiter Daniel Memmert den Hintergrund der Untersuchung.

In einem ersten Schritt sollen experimentelle Aufgaben zur Erfassung kreativitätsrelevanter Anforderungen in fußballspezifischen Situationen entwickelt werden, die sich im funktionellen Magnetresonanztomografen (fMRT) realisieren lassen. In der Hauptphase des Projekts sollen funktionelle Gehirnaktivierungsmuster während der Bearbeitung von fußballspezifischen Entscheidungssituationen untersucht werden, einhergehend mit Aktivierungsmustern während der Bearbeitung des klassischen Kreativitätstests, um die Vergleichbarkeit mit früheren Untersuchungen sicherzustellen.

Im Rahmen der D-A-CH-Zusammenarbeit gibt es zwischen der DFG und ihren Partnerorganisationen FWF (Fonds für wissenschaftliche Forschung, Österreich) sowie SNF (Schweizerischer Nationalfonds, Schweiz) eine Vereinbarung über gegenseitige Öffnung der jeweiligen Förderverfahren („Lead Agency“-Verfahren), um die Mobilität der Forschenden und die Durchführung grenzüberschreitender Forschungsprojekte zu erleichtern.