Flug über Mawrth Vallis

Flug über Mawrth Vallis
DLR

Etwa 600 Kilometer lang und bis zu zwei Kilometer tief: Das ist Mawrth Vallis, ein ausgetrocknetes Ausflusstal auf unserem Nachbarplaneten Mars.

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© Dieter Schütz | pixelio.de

Die vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) betriebene Kamera HRSC (High Resolution Stereo Camera) an Bord der ESA-Raumsonde Mars Express hat das Tal in hochauflösenden Bildern aufgenommen. Aus dem am DLR-Institut für Planetenforschung berechneten digitalen Geländemodell haben Wissenschaftler der Freien Universität Berlin ein Video von einem simulierten Flug entlang des Talverlaufs gerechnet.

Hinweise auf früheres Wasservorkommen

Mawrth Vallis (das Wort Mawrth kommt aus dem Walisischen und bedeutet Mars) gilt als eines der ältesten Täler auf dem Roten Planeten und befindet sich am Übergang zwischen den südlichen Hochlandregionen und den nördlichen Tiefebenen des Mars. Diese Zone wird auch als Dichotomiegrenze bezeichnet. Manchem Leser wird der ungewöhnliche Name des Tals dennoch schon begegnet sein: Denn durch das Mawrth Vallis verlief ein Großteil der insgesamt 3200 Kilometer langen Wegstrecke, die der “Marsianer” Mark Watney im gleichnamigen Science Fiction-Roman von Andy Weir aus dem Jahr 2011 zurückgelegt hatte. Das Buch wurde später von Ridley Scott mit Matt Damon in der Rolle des “Marsianers” verfilmt und kam 2015 in die Kinos.

Das Video beginnt an der Mündung von Mawrth Vallis in die weitläufige Ebene Chryse Planitia. Von dort geht es weiter entlang des gewundenen Talverlaufs bis zur “Quellregion” im vier Milliarden Jahre alten und stark verkraterten Hochland von Arabia Terra, etwas nördlich des Marsäquators.

Im Video sind zahlreiche Einschlagskrater sowie helle und dunkle Ablagerungen zu sehen. Die hellen, geschichteten Ablagerungen zählen zu den größten Vorkommen von Schichtsilikaten auf dem Mars: Diese Tonminerale finden sich an zahlreichen Stellen und sind ein starker Hinweis darauf, dass flüssiges Wasser in dieser Region existierte. Auf der Erde entstehen Tonminerale häufig als Verwitterungsprodukt von Vulkangesteinen, die über längere Zeiträume mit Wasser in Berührung kommen und dadurch umgewandelt werden. Daher wird für den Mars ein analoger Entstehungsprozess für diese Minerale angenommen. Um die Materialunterschiede in den Gesteinen und im Staub und Sand des Marsbodens besser erkennen zu können, wurden die Kontraste in den einzelnen Farbkanälen gesteigert. In Wirklichkeit würde einem Astronauten auf dem Mars die Oberfläche sehr viel monotoner erscheinen.

Kontakt:
Elke Heinemann
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Kommunikation, Gruppenleitung Crossmedia
Tel.: 02203 601-2867