Erosion am Fundament des Spitzensports

Erosion am Fundament des Spitzensports
Deutsche Sporthochschule Köln

Noch sind kaum Klagen der großen Sportveranstalter über schwindende Zuschauerzahlen, sinkende Marketingerlöse und versiegende TV-Gelder zu vernehmen.

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© Björn Neumann | pixelio.de

Das Geschäft läuft gut, und doch zeigen sich erste Auswirkungen der vielen Enthüllungen über Betrug, Korruption und dunkle Machenschaften im Spitzensport. Diese Erkenntnis legen die Ergebnisse eines Forschungsprojektes nahe, das Professor Dr. Christoph Breuer und Dr. Kirstin Hallmann vom Institut für Sportökonomie und Sportmanagement an der Deutschen Sporthochschule Köln gemeinsam mit Dr. Michael Ilgner, dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Sporthilfe, zur gesellschaftlichen Relevanz des Spitzensports betreiben.

Insbesondere internationale Sportler und Sportverbände haben viel Vertrauen verloren. „Wir konnten erstmals eine Kausalkette nachweisen, dass die Akzeptanz des Spitzensports in der deutschen Bevölkerung maßgeblich vom Vertrauen in die Integrität der Athleten, der Verbände und insbesondere der Funktionäre abhängt“, sagt Professor Breuer.

Anhand einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung und einer Umfrage unter den von der Deutschen Sporthilfe unterstützten Athleten wurden Ansichten zu Großveranstaltungen, Verbänden und Sportlern ermittelt. Unter dem Titel „Akzeptanz des Spitzensports in Deutschland – Zum Wandel der Wahrnehmung durch Bevölkerung und Athleten“ liegt damit eine Studie vor, die einerseits zeigt, dass der Spitzensport gesellschaftlich von hoher Relevanz ist. Dass zugleich aber weniger Menschen glauben, es gehe in der Regel fair und gerecht zu, wenn um Titel, Rekorde und Medaillen oder um Sponsoren und das Austragungsrecht für große Wettkämpfe gerungen wird.

Auffällig sei, dass sich jenseits des grundsätzlichen Interesses „in keinem weiteren Bereich die Werte im Vergleich zu 2011 verbessert haben. Spitzensport wird zwar mehrheitlich noch immer positiv betrachtet, jedoch sind einige deutliche Rückgänge seit 2011 zu verzeichnen“, schreiben die Autoren. Im Vorfeld der olympischen Spiele von London stimmten 87,2 Prozent der Befragten der Aussage zu, dass deutsche Athleten eine Vorbildfunktion erfüllen, in der aktuellen Studie nur 79,2 Prozent. Noch deutlicher ist die Abnahme der Zustimmung, wenn es um die Bedeutung von Erfolgen deutscher Sportler bei Olympischen Spielen oder Weltmeisterschaften für das Ansehen der Nation geht. 2011 waren 78,2 Prozent der Befragten der Meinung, Titel und Medaillen mehrten den Ruhm Deutschlands, vier Jahre später lag die Zustimmung zu dieser Aussage nur noch bei 60,9 Prozent.

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