Eisiger Vulkan auf Zwergplanet Ceres

Eisiger Vulkan auf Zwergplanet Ceres
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt

Der Krater Occator auf dem Zwergplaneten Ceres ist ein Hingucker: Mit einem Durchmesser von 92 Kilometern ist er größer als der Krater Tycho auf dem Mond – der selbst von der Erde aus mit dem bloßen Auge als heller Fleck zu erkennen ist.

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© DLR

Seine Wände ragen mit bis zu 2000 Metern höher empor als die Eiger-Nordwand in den Berner Alpen. Und seine hellen Flecken im Inneren des Kraters lassen weltweit die Wissenschaftler über ihre Beschaffenheit und ihren Ursprung diskutieren. “Der Einschlag, der diesen Krater entstehen ließ, hat sehr wahrscheinlich eine Verbindung zum tieferen Untergrund geschaffen – und so konnte vermutlich ein Gemisch aus Eis, Schlamm und Salz durch Spalten in der Kruste nach oben steigen”, sagt DLR-Planetenforscher Prof. Ralf Jaumann, Mitglied im Kamera-Team der amerikanischen Dawn-Mission. Das helle kalkhaltige Salz an Ceres‘ Oberfläche ist der Rückstand dieses Prozesses. “Es hat also eine Art vulkanischer Tätigkeit stattgefunden – allerdings nicht mit geschmolzenem Gestein, sondern mit einem geschmolzenem Eis-Schlamm-Gemisch.” Ein vom DLR-Institut für Planetenforschung erstelltes Video simuliert einen Überflug über den einzigartigen Krater. Vorgestellt werden die detaillierten Ergebnisse sowie weitere Bilder auf einer Pressekonferenz am 15. Dezember 2016 auf der AGU (American Geophysical Union).

Flug über den rätselhaften Occator

Grundlage für das Video sind 548 Bilder der deutschen Kamera, mehr als 10.000 Stereokombinationen sowie 106 Millionen berechnete Punkte auf der Oberfläche, aus denen die DLR-Planetenforscher ein dreidimensionales Höhenmodell des Zwergplaneten erstellten. Bei einer Auflösung von 32 Metern pro Pixel und einer Aufnahmehöhe von nur 370 Kilometern entsteht so ein Überflug, der dem Betrachter eine ideale Sicht auf die ungewöhnliche Topographie von Occator und den hellen Ablagerungen in seinem Inneren ermöglicht. Die hell reflektierenden Regionen haben mittlerweile auch Eigennamen erhalten: Die besonders auffällige Region mit hellen Flecken und einer rissigen Aufwölbung im Zentrum von Occator wurde “Cerealia Facula” genannt, die etwas weniger stark reflektierenden Flecken östlich davon “Vinalia Faculae”.

Auffällig ist, dass nicht alle großen Krater auf dem Zwergplaneten Ceres diese hellen Salzablagerungen zeigen, die in Occator bereits bei der Annäherung der Raumsonde Dawn an den Zwergplaneten Ceres gut erkennbar waren. “Der Einschlag könnte daher an dieser Stelle im Untergrund Material erwischt haben, das bei anderen großen Kratern vermutlich nicht vorhanden ist”, vermutet DLR-Planetenforscher Prof. Ralf Jaumann. An der Oberfläche ist dann das aufgeschmolzene Eis unverzüglich in den gasförmigen Zustand übergegangen – während Schlamm und Salze auf der Oberfläche blieben. Dabei ist dies ein Ereignis, dass vor etwa 18 Millionen Jahren, für Geologen also in der jüngsten Vergangenheit, stattgefunden hat. Eine andere Theorie geht allerdings davon aus, dass Krustenmaterial durch die beim Einschlag entwickelte Wärme aufgeschmolzen wurde und es dadurch zu einer hydrothermalen Veränderung des Materials und zur Entstehung der Salze gekommen ist.

Weitere Informationen

Kontakt:
Manuela Braun
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Kommunikation, Redaktion Raumfahrt
Tel.: 02203 601-3882
Mail: Manuela.Braun@DLR.de