Europas neue geostationäre Satellitenplattform

Europas neue geostationäre Satellitenplattform
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt

Mit dem Telekommunikationssatelliten Hispasat 36W-1ist der erste Satellit einer neuen, wesentlich in Deutschland entwickelten und gebauten Satellitenplattform ins All gestartet.

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© DLR

SmallGEO ist ein Programm für relativ leichte geostationäre Satelliten, die mit etwa drei – statt klassischerweise sechs oder acht – Tonnen in 36.000 Kilometer Höhe um die Erde kreisen.
Die Plattform ist modular aufgebaut und kann verschieden konfiguriert und eingesetzt werden – vor allem für den kommerziell interessanten Markt der Telekommunikationsdienstleistungen. Der erste SmallGEO-Satellit startete nun vom Weltraumbahnhof der Europäischen Weltraumorganisation ESA in Kourou (Französisch-Guyana) an Bord einer Sojus-Trägerrakete.

Deutsche Systemfähigkeit in der Telekommunikation

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat die Entwicklung dieser “kleinen” Satellitenplattform mit Mitteln des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) wesentlich unterstützt: Deutschland ist der größte Beitragszahler des SmallGEO-Programms der ESA und hat rund 150 Millionen Euro (42,5 Prozent des Gesamtbudgets) in die Entwicklung der Plattform und der Nutzlast investiert. Hauptauftragnehmer für den Satelliten ist ein Industrieteam unter Federführung der OHB System AG in Bremen.”SmallGEO zeigt damit seit dem Programm DFS-Kopernikus, dessen letzter Satellit Anfang der 1990er Jahre gestartet wurde, dass Deutschland wieder in der Lage ist, Kommunikationssatelliten zu entwickeln und zu bauen”, betont Dr. Gerd Gruppe, Vorstand des DLR Raumfahrtmanagements, und ergänzt: “Die jetzt gestartete Mission markiert den Markteintritt und ist ein wichtiger Meilenstein. Mit SmallGEO erreichen wir eine neue Systemfähigkeit in Deutschland. Das stärkt unsere Industrie, auch im internationalen Wettbewerb. Zudem wird damit ein zentrales Ziel der deutschen Raumfahrtstrategie umgesetzt.”

Kompetenz aus Deutschland bei der Nutzlast

Hispasat 36W-1 wird die Iberische Halbinsel, die kanarischen Inseln und Südamerika mit Multimediadiensten versorgen. Die deutsche Firma Tesat Spacecom aus Backnang hat für diese Mission erstmals eine komplette Kommunikationsnutzlast ausgelegt und gebaut. Einen Teil dieser Nutzlast bildet der “Ka-Band Demonstrator”, eine Kommunikationseinheit mit einer besonders großen Bandbreite an Frequenzen. Zu dieser Nutzlasteinheit gehören eine neuartige Ansteuerungseinheit und drei Leistungsverstärker. Beide Technologien werden im Weltall erprobt und sollen die Satellitenkommunikation flexibler machen. Denn bisher waren die Telekommunikationssatelliten relativ starr: Einmal ins All geschossen, sendeten sie über ihre gesamte Lebensdauer von rund 15 Jahren hinweg immer im selben Frequenzbereich und mit einer fest eingestellten Leistung. “Das ist heute nicht mehr zeitgemäß und geht am Markt vorbei. Ein flexibler Leistungsverstärker kann – wenn nötig – die Intensität verstärken oder verringern. Das spart Strom, der dann für andere Anwendungen zur Verfügung steht”, verdeutlicht Dr. Frank Bensch, SmallGEO-Programmleiter beim DLR Raumfahrtmanagement.

Kontakt:
Elisabeth Mittelbach
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Kommunikation, Raumfahrtmanagement
Tel.: 0228 447-385
Mail: Elisabeth.Mittelbach@dlr.de

Dr. Frank Bensch
Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
Raumfahrtmanagement, Satellitenkommunikation
Tel.: 0228 447-235
Mail: Frank.Bensch@dlr.de