Kölner Wissenschaftler erzählen

Donnerstag 22. April 2010 von HH

Kölner Wissenschaftler erzählen
Prof. Dr. Martin Melles

Sechs Fragen an den Professor für Geologie am Institut für Geologie und Mineralogie der Universität zu Köln.

Warum sind Sie Wissenschaftler geworden?


Das war nicht geplant, sondern ist das Ergebnis einer Kette von Zufällen. Ich hatte das Glück, seit dem Studium immer wieder auf spannende Themen und Aufgaben zu stoßen, die mich so fasziniert und beschäftigt haben, dass nicht daran vorbei kam, ihnen auf den Grund zu gehen – und somit in der Wissenschaft blieb.


Was fasziniert Sie an Ihrer Tätigkeit?


Die Kombination aus Forschung und Lehre. Im Rahmen meiner Forschungstätigkeit trage ich mit meinen Untersuchungen zum Verständnis der natürlichen Klima- und Umweltveränderungen auf der Erde bei. Die Ergebnisse helfen, die zukünftige Klimaentwicklung unter Einflussnahme des Menschen besser vorher zu sagen. Die Lehrtätigkeit fasziniert mich ebenso. Ein großer Teil der Studierenden kommt ohne geologische Vorkenntnisse an die Universität. Am Ende ihres Studiums sind diese Studierenden dazu in der Lage, grundlagenorientierte wie angewandte Fragen der Geologie selbstständig anzugehen und zielgerichtet mit den heute verfügbaren Methoden zu beantworten. Die maßgebliche Teilhabe an diesem Prozess und die stete Auseinandersetzung mit dem wissenschaftlichen Nachwuchs bereiten mir viel Freude.


Was waren Ihre größten Herausforderungen?


Meine größte Herausforderung ist seit Beginn meiner wissenschaftlichen Laufbahn, mein Berufsleben mit meinem Privatleben „unter einen Hut“ zu bringen. Das ist ein permanenter Balanceakt, bei dem man leider oft das Gefühl hat, weder dem Einen noch dem Anderen hinreichend gerecht zu werden.


Gab es auch Flops?


Bei den wissenschaftlichen Projekten, die mir besonders am Herzen lagen, ist der Weg zum Ziel mitunter länger und komplizierter gewesen als anfänglich gedacht, aber große Flops sind mir zum Glück bisher erspart geblieben. Anders sieht das bei meinen Aktivitäten in der Hochschulpolitik aus. Als Studiendekan an der Universität Leipzig konnte ich vor einigen Jahren nicht verhindern, dass die grundständige geowissenschaftliche Ausbildung in Leipzig entgegen jeder Vernunft eingestellt wurde -  das betrachte ich nach wie vor als großen persönlichen Misserfolg.


Woran arbeiten Sie gerade?


Ich habe derzeit (zu) viele Großprojekte. Mich beschäftigt aktuell vor allem die Auswertung einer Forschungsbohrung, die wir im Frühjahr 2009 in der sibirischen Arktis niedergebracht haben. Außerdem tragen wir mit Untersuchungen der Klima- und Umweltgeschichte zum Verständnis der Wanderung des Modernen Menschen (homo sapiens sapiens) von Afrika nach Europa bei, die Thema eines jüngst bewilligten Sonderforschungsbereiches ist. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf einem in Deutschland einzigartigen Beschleuniger-Massenspektrometer, das 2010 in Köln aufgebaut wird und neue Möglichkeiten zur Datierung von geologischen Prozessen bieten wird.



Mit welchen Fragen werden Sie sich in zehn Jahren beschäftigen?


Ich kann mir die nächsten 5 Jahre recht gut vorstellen. Welche Aufgaben mich in 10 Jahren erwarten, kann ich dagegen heute nicht vorhersehen. Auf jeden Fall werde ich der Erforschung der Dynamik unserer Erde in der jüngeren Erdgeschichte treu bleiben.

Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 22. April 2010 um 15:01 und abgelegt unter Kölner Wissenschaftler erzählen. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Kommentare und Pings sind derzeit nicht erlaubt.

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